Fünf Gebote für den Start in die Finanzielle Unabhängigkeit

In meinem Interview mit der TZ in München wurde ich gefragt, was die meine besten Tipps für den Start sind. Davon inspiriert habe ich die fünf Gebote hier etwas ausführlicher zusammengefasst.

Gebot Nr. 1: Pay yourself first

Wenn das Gehalt auf dem Konto eintrifft, sollte ein Teil davon per Dauerauftrag direkt auf einen Sparplan fließen. 

Ich habe früher immer gespart was übrig blieb. Da aber Geld auf dem Girokonto darum bettelt, ausgegeben zu werden ist es viel sinnvoller und auch mental weniger anstrengend, die Sparziele mit der Miete und den anderen regelmäßigen Ausgaben einfach mit zu überweisen. Auf meinem Konto verbleibt das Geld, das ich plane auszugeben, So habe ich kein schlechtes Gewissen, das vorhandene Geld auszugeben, muss auch nicht immer im Hinterkopf überlegen, wieviel ich eigentlich sparen wollte, sondern das sparen und das rechnen passiert automatisch. Und wenn man sich an Punkt 2 hält, auch ohne große Schmerzen.

Gebot Nr. 2: Vermeiden von lifestyle inflation

Sobald man anfängt zu arbeiten und dann langsam auch mehr verdient werden Begehrlichkeiten wach. Obwohl viele, mich eingeschlossen, ihre Studententage als extrem glücklichen Lebensabschnitt in Erinnerung haben gerade wegen der beschränkten Ressourcen in Kombination mit viel Freiheit. Die Studientage sind also eigentlich ein Blueprint für die Finanzielle Unabhängigkeit, denn Frugalismus ist den meisten Studenten ins Blut übergegangen, trotzdem sind die Studententage voll mit Aktivitäten. 

Wenn dann der erste Job kommt ist die WG auf einmal zu beengend. Eine eigene Wohnung muss her. Der Job ist natürlich etwas weiter weg, daher muss auch ein Auto angeschafft werden. Alles was man sich vorher nicht leisten konnte, wird jetzt erreichbar und der eine fängt an Turnschuhe zu sammeln, neue und teuere natürlich, die nächste geht jetzt sehr regelmäßig zu einem teureren Friseur und kauft sich sehr schöne Kleidung, braucht sie alles für den Beruf. So ist das Mehrgeld in kürzester Zeit wieder ausgegeben und die Ansprüche steigen genauso schnell oder bei manchen sogar schneller als die Gehaltseingänge. 

Es gibt erschreckend viele auch junge erfolgreiche Menschen, die in diese Falle tappen. Oft ist es der Vergleich mit Kollegen. Wenn die jedes Wochenende in den angesagten Clubs die Sau raus lassen, will man dabei sein und das kostet. Alleine im Nachtleben kann ein Abend die Woche schon die Sparquote des Monats gen Null tendieren lassen. Als Student hatten wir Parties in den Wohnungen, jeder brachte Getränke mit und das ganze war ein günstiger Spass unter Gleichgesinnten. Als Unternehmensberater muss es dann natürlich gleich das Schumanns (eine Münchener Institution) sein, denn schließlich sind die Cocktails dort einfach die besten. Auch die Whiskey-Kenner erscheinen nach dem Studium aus dem Nichts. Plötzlich wird über Getränke geredet, bei denen eine Flasche schon mal 50 Euro kosten kann. 

Am wichtigsten ist es, diese Entwicklung aktiv zu steuern, also nicht einfach bei allem mitzumachen, was Kollegen oder Studienfreunde auf einmal als neuen „Status Quo“ definieren, sondern so lange wie möglich bei den einfachen Freuden bleiben. Mir ist auch klar dass ein sehr teuerer Rotwein besser schmeckt, als ein sehr günstiger, aber vielleicht reicht auch eine 5 Euro Flasche, die mit Sorgfalt ausgewählt wurde, und es muss nicht der 30 Euro Rothschild sein.

Man merkt ich habe mich hier ein wenig am Alkohol aufgehangen, das gleiche gilt natürlich auch für alle anderen Bereiche des Lebens, also reicht nicht der alte Golf oder muss es jetzt ein Mini Cooper sein, reicht nicht Spanien oder muss es jetzt Florida sein etc. pp.

Gebot Nr. 3: Suche oder behalte Dir eine günstige Wohnsituation

Das ist natürlich bei der momentanen Kauf- und Mietpreiseskalation in den Deutschen Großstädten und ganz besonders in München ein sehr schwieriges Unterfangen. Wenn man sich an Punkt 2 hält, ist es vielleicht für den Studenten, der in einer WG wohnt möglich, noch länger dort wohnen zu bleiben. Falls man sehr langfristig, wie ich, mit München als Standort rechnet gibt es zum einen die Möglichkeit, eine Wohnung zu kaufen, hierzu habe ich ja bereits Artikel geschrieben (http://munichfire.com/mieten-oder-kaufen-in-muenchen-oder-berlin).

Es gibt aber auch Vermieter, die nicht die maximale Miete verlangen und hier heißt es sich kundig zu machen. Denn diese Vermieter inserieren nicht. Die großen Versicherungen, also Allianz und Münchener Rück haben einen großen Bestand an Wohnungen, hier kann man sich auf die Liste setzen lassen. Es gibt Genossenschaften, die günstig Wohnraum anbieten, auch hier ist eine gewisse Geduld erforderlich, denn eine Zuteilung kann Jahre dauern. 

Zusätzlich sehe ich immer wieder Zettel an Ampeln und in Supermärkten hängen, in denen Wohnungen gesucht werden. Natürlich ist es mühsam, aber ich kenne einige Freunde, die so ihre erste Wohnung gefunden haben. Also sich die Ecken der Stadt herausgesucht haben, in den zum Beispiel der Arbeitsweg besonders effizient ist und die auch einen gewissen Freizeitwert haben, aber eben nicht die absoluten In-Viertel wie Maxvorstadt oder Glockenbach. Dann in dem Mikrobereich alles an Möglichkeiten nutzen, die es gibt. Selber Plakate aufhängen, Abreißzettel, Genossenschaften etc. 

Da viele über 30% des Monatseinkommens für Wohnraum in München ausgeben, ist das sehr gut investierte Zeit. Und Kompromissbereitschaft ist auch nötig, denn die perfekte Dachterrassenwohnung, ruhig aber zentral, gerne mit Alpenblick und Fußbodenheizung ist dann doch selten ein Schnäppchen.

Gebot Nr. 4: Besorge Dir ein Fahrrad und nutze es

Das Fahrrad ist eine eierlegende Wollmilchsau. Es hat nur Vorteile und ganz wenig Nachteile. Mit dem Fahrrad zu fahren spart extrem viel Geld, wie ich in dem Post http://munichfire.com/geld-verdienen-durch-fahrradfahren bereits beschrieben habe. Es macht außerdem viel mehr Spass, als mit dem Auto im Stau zu stehen. Man findet immer einen Parkplatz und der ist sogar kostenlos. Und man treibt sogar Sport, die Bewegung ist gesund, man spart langfristig Arztkosten durch weniger Übergewicht und weniger Untätigkeit. Im Winter und Sommer verringert das Fahrradfahren das Risiko, sich in der U-Bahn oder dem vollen Bus anzustecken. Das vermeiden der miesen Sommergrippen oder gar der berüchtigten Männergrippe ist auch viel Geld wert. Das Auto ist in meinen Augen ein überdimensionierter Rollstuhl. Es ist sehr hilfreich für längere Strecken, es ist aber absolute Verschwendung von Zeit, Gesundheit und Geld für Kurzstrecken. Vielleicht kommt ja auch hier bald eines der zahlreichen Startups mit den Elektrorollern, bin gespannt ob das eine Alternative zum Fahrrad wird. Der angehende Frugalist kann sich auf jeden Fall nicht erlauben, mit dem Auto Kurzstrecken zu fahren. Ich würde sogar so weit gehen und ein Auto erst dann zu erlauben, wenn eigene Kinder da sind. Mit dem Baby will man nicht im Winter Fahrrad fahren.

Gebot Nr. 5: Track your Spending

Der letzte Punkt der heutigen Liste ist auch super wichtig. Nur wenn die Ausgaben auch die Werte widerspiegeln, macht Sparen für finanzielle Unabhängigkeit Sinn. Und nur wenn es Sinn macht, wird der Weg zum Ziel. Daher gilt es hier durch einige Monate genaues Tracking festzustellen, wo die finanziellen Löcher sind, in denen das Geld versickert. Bei mir war es zum Beispiel das Essen gehen, mit Freunden, oder bestellen wenn man daheim ist. Als ich meine Ausgaben analysierte, war ein weiterer Punkt das ausgehen, auch wenn es nur wenige Abende im Monat sind, so waren diese doch vergleichsweise teuer. In München kann ein Cocktail in einer angesagten Bar schon mal fast 20 Euro kosten. Aber auch Kleinigkeiten wie Versicherungen oder der Wechsel des Stromanbieters können viel ausmachen. Beim Investieren sind es die Kontoführungsgebühren, die Fondsgebühren oder das häufige Handeln mit Aktien. 

Es ist schockierend wieviel Geld einfach so verschwindet, weil man nicht optimal aufgestellt ist. Bei höheren Einkommen und einem komplexen Bild hilft auch durchaus der Blick durch einen Finanzberater. Allerdings sollte es jemand sein, der nur auf Honorarbasis arbeitet, also keine Produkte verkauft oder vermittelt, nur dann ist Objektivität gewährleistet. Man zahlt einen Stundensatz für die geleistete Arbeit, und bekommt dafür Unterstützung von Experten.

Das wars für heute, danke fürs Lesen und ein schönes Wochenende!

3 thoughts on “Fünf Gebote für den Start in die Finanzielle Unabhängigkeit”

  1. Lieber Christian,

    seit einigen Wochen lese ich mit großem Interesse die Artikel hier. Ich wünschte, ich hätte Informationen zu einem bewussteren Konsum und zum Aufbau von Vermögen, wie Du sie bereitstellst, schon viel früher gefunden. Mit großer Nachdenklichkeit blicke ich auf die letzten zehn Jahre meiner Berufstätigkeit zurück. Hätte ich bereits vor zehn Jahren begonnen, konsequent Geld zurückzulegen und zu investieren, dann könnte ich schon in 3,4 Jahren aufhören, einer fremdbestimmten Erwerbstätigkeit nachzugehen…

    Naja – wie sagte neulich ein bekannter Fußballspieler – wäre, wäre, Fahrradkette! Auf die Zukunft kommt es an.

    Ich bin wohl ein klassisches Beispiel für das, was Du mit „lifestyle inflation“ so gut beschrieben hast. Zwar habe ich mir nie ein Auto gekauft, aber es musste die Top-Wohnung sein (ein irrer Kostenblock), immer neue Klamotten und Schuhe, teure Restaurants etc.

    Seit einigen Wochen nehme ich mein Konsumverhalten sehr kritisch unter die Lupe. Ohne mir ein genaues Budget zu setzen (das wird der nächste Schritt sein), habe ich bereits durch Zuhause-Kochen, keine neuen Klamotten mehr kaufen, keine teuren Konzerte mehr und Ausflüge vor allem in die Natur und nahe Umgebung gute Einsparungen erzielen können.

    Als nächstes werde ich Deine Gebote 1 und 5 umsetzen.

    Ich würde mich gerne mit Dir austauschen – wohne ebenfalls in München.

    Eine große Herausforderung ist, dass ich viel mit Leuten zu tun habe, die einen extrem inflationären Lebensstil pflegen. Nicht privat, glücklicherweise, aber beruflich. Hier wird innere Freiheit und Abgrenzung sehr wichtig sein.

    Eine Frage – hast Du es bereits erlebt, dass Du aufgrund „frugaler“ Entscheidungen (z.B. altes Auto statt Neuwagen, keine fancy Markenklamotten) von Deinem Umfeld Ablehnung/Kritik erfahren hast? Oder subtile Diskrimierung? Wie gehen andere damit um? Dieser Punkt interessiert mich sehr.

    Viele Grüße, Jessi

    1. Liebe Jessi,

      danke für Deinen Kommentar und Deine offenen Worte. Es freut mich ungemein, dass meine Artikel hier einen Anstoß geben konnten, dafür habe ich sie veröffentlicht, und auch ich habe nach Veröffentlich mir durchaus den ein oder anderen hämischen Kommentar anhören dürfen, insbesondere nach dem Artikel in der TZ.

      Aber da ich inhaltlich voll und ganz hinter meinen Worten stehe hat es mich nicht weiter belastet und war dann auch schnell wieder vorbei. Nun zu Deiner Frage:

      Meiner Meinung nach ist nur der Kurswechsel von Interesse bei den Kollegen, nicht der Lebensstil. Also der Wechsel von Geld spielt keine Rolle zu „einer muss das wirklich sein“- Einstellung.

      Beruflich habe ich zum Beispiel bei Schuhen immer einen hohen Wert auf Qualität gelegt und mir auch sehr teure Lederschuhe von Eduard Meier gegönnt, aber natürlich im Schlußverkauf gekauft. Diese pflege ich und sie halten sich super, teilweise seit 20 Jahren. Das gleiche gilt für meine Hemden etc. Als Frau ist das aber sicherlich eine komplexere Geschichte. Ich habe das Gefühl, dass konservative Kleidung, also nicht die neuesten sondern die bewährtesten Outfits zu tragen, hier langfristig Kosten sparen hilft. Dann kann man sich zwar nicht mehr so stark über die neuesten Trends austauschen, aber wenn du nicht in der Modebranche arbeitest, sollte das auch kein Problem sein.

      So gesehen würde ich zwar beim Kurswechsel auf Kommentare/ Kritik gefasst sein, aber sobald sich alle dran gewöhnt haben ist es auch schon wieder vorbei, so zumindest meine Erfahrung. Die meisten „frugalen“ Entscheidungen sind ja auch die sinnvollen und wenn man länger darüber nachdenkt die richtigen. Wenn die Kollegen sehr teuer essen gehen dann würde ich trotzdem mitgehen, schließlich passiert das ja nicht jeden Abend. Ich gehe auch oft Mittags mit Kollegen essen, verdiene genug um darüber nicht nachdenken zu müssen aber koche eben abends lieber selbst.

      Der größte Kostenblock ist ja das Wohnen, und hier ist natürlich gerade in München sehr viel los, also nicht einfach zu optimieren. Lage, Lage, Lage ist wie die Immobilienmakler zu sagen pflegen aber alles. Ich würde auf Lage (Entfernung zum Büro, Entfernung zu Isar oder Englischer Garten etc) optimieren und dafür lieber auf ein paar qm verzichten, auch die neueste Ausstattung muss meiner nach nicht sein. Dann spart man beim Weg ins Büro und kann zu Fuss oder mit dem Fahrrad das Leben genießen. Ist aber gerade schwierig in unserer schönen Stadt.

      Subtile Diskriminierung habe ich noch nicht erfahren, was genau meinst du damit, vielleicht verstehe ich es nicht?

      Viele Grüße

      Christian

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