Geld verdienen durch Fahrradfahren

 

Jeden morgen freue ich mich auf meine Radltour ins Büro. 10 km immer neue Stimmungen – erst entlang der Isar, dann das eintauchen in die Stadt nach der Wittelsbacher Brücke, das überholen der im Stau stehenden Autofahrer an jeder Ampel und schließlich die Begrüßung durch die Bavaria auf der Theresenwiese. Diese ganzen Eindrücke machen jeden morgen einzigartig und helfen mir dabei, mit guter Laune ins Büro zu kommen. Ich habe mich dann schon bewegt und bin pünktlich im Büro. Es gibt keine Varianz der Fahrzeit durch Staus – außer an einigen Ampeln, da lasse ich die ganz eiligen Radler aber gerne vor, es scheint bei manchen um Sekunden zu gehen, vielleicht fahren sie einfach jeden morgen zu spät los, ich weiß es nicht – es gibt keine ausgefallenen Bahnen oder Polizeieinsätze, und bei Straßensperrungen radel ich einfach drum herum.

 

Ich fahre auch in meiner Freizeit viel Fahrrad, ich habe sogar schon mehrfach Urlaub mit dem Fahrrad gemacht. Eine Alpenüberquerung mit dem Mountainbike (gekauft 2003 und gut gepflegt), wenig Gepäck und viel Flexibilität ist einer der günstigsten und schönsten Urlaube, die man machen kann. So gesehen ist die halbe Stunde Fahrtweg ins Büro jeden Tag ein kleiner Miniurlaub, bei dem ich meine Strecke so optimiert habe, dass ich möglichst viel  auf Nebenstraßen oder sogar reinen Fahrradstrecken fahre.

 

Zusätzlich zu dem Vergnügen, den eigenen Körper zu spüren und die Kraft der Beine in Geschwindigkeit umzusetzen, verdiene ich bei jeder Fahrt auch noch Geld, da alle alternativen Wege ins Büro teurer wären. Bei mir dauert die Strecke mit dem Fahrrad, den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto ungefähr gleich lang (ca. 30-40 Minuten), allerdings haben Auto und MVV höhere Varianzen abhängig von Verkehr und Umsteigeglück. Es kann mit dem Auto nur 20 Minuten dauern, gerade in den Sommerferien wenn die Straßen leer sind, aber ich habe auch schon öfters eine Stunde gebraucht wenn irgendwo im System ein Stau die Straßen verstopft.

 

Wieso spare ich?

 

Für den Vergleich habe ich der Einfachheit halber angenommen, ich fahre zu 100% mit dem jeweiligen Transportmittel, auch wenn es in der Realität natürlich immer ein Mix sein wird. Ich fahre eigentlich das ganze Jahr Fahrrad, außer es schüttet oder schneit aus vollen Zügen, dann fahre ich öffentlich. Das Auto wird genutzt, wenn ich auf dem Hin- oder Rückweg noch Erledigungen mache, die anders nicht möglich wären, wie zum Beispiel den Christbaum zum Sperrmüll bringen.

 

Alle Kosten muss ich ja immer aus meinem Lohn bezahlen. Der Einfachheit rechne ich immer damit 40% für Steuern und Sozialabgaben an den Staat und die verschiedenen anderen abgeben zu müssen, dass heißt wenn ich 1000 Euro bezahle für mein Fahrrad, muss ich vorher 1666,66 Euro verdient haben. Das Fahrrad ist also eigentlich teuerer.

 

Kosten Fahrrad

 

Mein Fahrrad hat 1400 Euro gekostet und wird ca. 5 Jahre halten, Reparaturen mache ich selber und sind ca. 100 Euro im Jahr, d.h. die Kosten für das Pendeln mit dem Fahrrad sind 1400 Euro durch 5 Jahre, also 280 Euro im Jahr plus 100 Euro Reparaturen. In Summe also 380 Euro im Jahr die ich von meinem Angestelltennachsteuerundversicherungenlohn bezahlen muss.

 

Vergleich Fahrrad mit Öffentlichen Verkehrsmitteln

 

Ich würde beim pendeln mit den öffentlichen Verkehrsmitteln eine Dauerkarte in München kaufen, das wäre sicherlich das günstigste. Diese kostet zur Zeit pro Monat in München mit vier Ringen 79,10 Euro. Pro Jahr sind das dann schon 949,20 Euro.

 

Vergleich Fahrrad mit dem Auto

 

Mein Auto ist ein 10 Jahre alter Audi A6, der relativ wenig Abschreibungskosten, aber dafür natürlich mehr Reparaturkosten verursacht. Um es einfach zu halten, nehme ich die vom ADAC ausgerechneten 33,9 Cent pro Kilometer als Kosten für die tägliche Pendelei. Hierin ist kein Wertverlust mehr enthalten, sondern nur noch Betriebskosten, Fix- Werkstattkosten bei einer Fahrleistung von 15.000 km, was ungefähr der Realität entspricht. (https://www.adac.de/infotestrat/autodatenbank/autokosten/detail.aspx?KFZID=200996&activeTab=3&info=Audi+A6+Avant+3.0+TDI+quattro+tiptronic+(04+-+06))

 

Da die schnellste Strecke mit dem Auto über den mittleren Ring führt sind es hier nicht 10 km sondern 15km einfache Strecke, die täglich zurückgelegt würde. In den 33,9 Cent pro Kilometer sind Abschreibung, Benzin, Reparaturen und alle weiteren Kosten enthalten. Bei einem neuen BMW oder einem neuen Audi kommt es natürlich stark auf die individuelle Situation an, aber die wenigsten werden es schaffen weniger auszugeben, viele aber substantiell mehr. Bei einem neuem BMW X5 M Steptronic Avant zum Beispiel wären die Kosten 170,8 Cent pro km, da hier der Wertverlust viel höher zu Buche schlägt.

 

https://www.adac.de/infotestrat/autodatenbank/autokosten/detail.aspx?KFZID=243618&info=BMW+X5+M+Steptronic

 

Damit hätten wir pro Woche 15km mal Hin und Rückfahrt gleich 30km mal 33,9 cent sind 10,17 Euro am Tag, bei 249 Arbeitstagen in 2018 (https://www.arbeitstage.org/bayern/arbeitstage_2018_bayern.html) minus 30 Tage Urlaub sind das 219 Tage mal 10,17 Euro entspricht 2227,23 Euro Ausgaben, zu bezahlen von meinem Nettolohn.

 

Konsequenzen:

 

Was heißt das nun für mich und welche Konsequenzen kann man daraus ziehen. Der wichtigste und oft unterschätzte Faktor bei der Geldanlage ist der Zinseszinseffekt. Bei der Anlage des gesparten Geldes fängt dieses direkt an für mich zu arbeiten und ab einem gewissen Anlagehorizont, hier 20 Jahre, ist der Zinsteil schon fast 30% der Gesamtsumme. Zur Kalkulation der Ergebnisse für die jeweiligen monatlichen Beiträge habe ich folgendes Tool genutzt:

 

http://www.calculator.net/investment-calculator.html

 

Startsumme 0 Euro, monatliches Einzahlen der Differenz, Verzinsung 6%

 

Vergleich:

 

Fahrrad Öffentlich Mein Auto BMW X5 M
Nettokosten Jahr 380,00 Euro 949,20 Euro 2227,23 Euro 11.221,56 Euro
Bruttoverdienst notwendig dafür 633,33 Euro 1582,00 Euro 3712,05 Euro 18.702,60
Netto Differenz

zum Fahrrad/ Jahr

569,20 Euro/ Jahr 1847,23 Euro 10.841,56 Euro
Netto Differenz

zum Fahrrad/ Monat

47,43 Euro 153,94 Euro 903,46 Euro

 

Netto Differenz angelegt für 20 Jahre bei 6% 21.506,59 Euro

 

69.802,34 Euro 409.663,67 Euro
Brutto Differenz zum Fahrrad/ Jahr 948,67 Euro 3078,22 Euro 18.069,27 Euro
Brutto Differenz zum Fahrrad/ Monat 79,06 Euro 256,52 Euro 1505,78 Euro
Brutto Differenz angelegt für 20 Jahre bei 6% 35.848,86 Euro

 

116.316,08 Euro 682.778,82 Euro

 

 

Brutto ist natürlich in Deutschland nicht möglich, da es keine Anreize vom Staat gibt, wie in den USA oder auch in Großbritannien einen Sparplan für den Ruhestand steuerfrei aufzusetzen. In diesen Ländern hätte ein 25 – jähriger Student der anstatt mit dem Auto mit dem Fahrrad fährt neben einer ausgezeichneten Gesundheit auch noch 116.316,08 Euro angespart mit 45, ohne irgendetwas anderes in seinem Leben geändert zu haben als das Transportmittel zur Arbeit. Die schockierendste Zahl ist natürlich der Vergleich mit dem Fahrer eines BMW X5 M Steptronic (Neupreis 122.000 Euro). Hier wäre die Einsparung 903,46 Euro im Monat, angelegt auf 20 Jahre bei 6% Rendite kommen hier über Vierhunderttausend Euro zusammen, die der BMW Fahrer für den Spass, mit einem überdimensionierten Rollstuhl im Stau zu stehen, zahlt.

 

Da ich mich in Deutschland befinde und mein Auto relativ günstig ist, kann ich nur eine Nettodifferenz von 153 Euro ansparen und komme hier bei 6% Verzinsung in einem niedrigpreisigen ETF Ansparplan immerhin auf 69.802,34 Euro, die möglich sind.

 

Ich verdiene also jeden Tag mit meinem Fahrrad Geld, das ich anlege und das später für mich arbeiten wird, als passives Einkommen über Dividenden, Immobilien und andere Investitionen.

7 thoughts on “Geld verdienen durch Fahrradfahren”

  1. Alles spricht für’s Fahrrad: Tolle Grundkondition ohne Zeitaufwand. Abwechslung durch das Wetter. Morgens munter werden, abends abschalten und Stress abbauen. Zuverlässige Wegzeit, ohne Stau oder Weichenstörung. Nicht in volle Pendlerzüge quetschen. Die Stadt erleben statt abgekapselt alleine in der Blechkiste zu sitzen. Und nebenbei viel Geld sparen.
    Die wahren Kosten verdrängen Autofahrer doch am liebsten. Würde sonst zu weh tun…

    1. Sehe ich genauso, manchmal denke ich mir, was man mit den Hunderten von Millionen Euro, die die Stadt für die ganzen Tunnels des Mittleren Rings ohne mit der Wimper zu zucken ausgegeben hat, für tolle Fahrradwege hätte bauen können.

      Überdachte kreuzungslose breite Wege, eigene Brücken etc. Aber das Auto hat eben absolute Priorität.

      Meine Lieblingsstatistik ist aus der Biographie von Steve Jobs: Der Mensch hat anscheinend mit dem Fahrrad die effizienteste Methode der Fortbewegung entwickelt. Es gibt kein Tier, das weniger Kalorien (im Verhältnis zu seinem Gewicht) benötigt, um eine bestimmte Strecke zurückzulegen, als der Mensch mit dem Fahrrad.

  2. Ein MVV-Abo das monatlich bezahlt wird beinhaltet zwei Freimonate.
    Im Berechnungsbeispiel also „nur“ 791€.
    Bei jährlicher Zahlung 9,5facher Monatsbeitrag.
    Meine Bestellung eines BMW X5 M habe ich nach der Lektüre des Artikels storniert 😉

  3. Ich bin bei den Ampeln auch immer vorne dabei und schau‘, dass ich zügig wegkomme. Gerade auf meiner damaligen Strecke, der Nymphenburger einwärts ist der Fahrradweg so eng, dass es einfacher ist, schnell zu starten, als dann an einer Kolonne von 15km/h Omas vorbeizukommen.

  4. Auch wenn das Fahrrad gleich teuer wäre, würde ich es vorziehen. Wie du genieße ich die Fahrten.
    Ich glaube bei der Berechnung des Auto-km hast du noch die Versicherung und Steuer mitberechnet. Da du dir die Staatskarosse ja leistest, frisst sie diese Kosten auf, egal ob du mit dem Rad fährst oder nicht. Genau genommen bekommst du durch die Nichtnutzung des Autos weniger Gegenleistung für deine Beiträge und Steuern. Ich glaube, wenn ich in einer Großstadt leben würde, hätte ich schon lange kein Auto mehr.
    @ Richard Westend „Die wahren Kosten verdrängen Autofahrer doch am liebsten. Würde sonst zu weh tun…“ Ich frage mich beim Bäcker immer, ob den Leuten bewusst ist, wie teuer ihre mit dem SUV geholten Sonntagsbrötchen sind.

    1. Hallo Rohloff,

      ich auch, beim Fahrradfahren kann ich wunderbar nachdenken. Ich fahre allerdings so um die 10.000 km im Jahr und das macht mit einem Diesel noch weniger Sinn, da hier ja die Steuer den Vielfahrer begünstigt. Jetzt habe ich ihn aber nunmal, das nächste Auto, wenn überhaupt wieder eins, wird elektrisch oder ein Benziner, was immer dann günstiger gebraucht zu haben ist.Die gesamte Versicherung, der Wertverlust, der Verschleiß und so weiter sind aber einfach sehr teuer und ich habe auch von 25 bis Ende 30 kein Auto besessen mit Kind ist es aber ganz angenehm, gerade bei schlechtem Wetter.

      Zu deinem letzten Punkt: Es ist immer wieder überraschend, wie irrational rationale Menschen werden, um ihr Auto zu rechtfertigen. Wenn man Ansatzweise eine echte km-Pauschale nennt, wird diese fast immer als zu hoch angesehen.

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